Orthodoxe Textquellen und Zeugnisse in deutscher Übersetzung
Der Schmale Pfad der Rettung, wie ihn das orthodoxe Christentum versteht


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 1:

 EINLEITUNG (von Johannes A. Wolf, Herausgeber der Schriftenreihe)

 Annäherung

 Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Jh 18,36)

Von einigen wenigen historischen Epochen abgesehen, war es nie leicht, in dieser Welt ein christliches Leben zu führen. Dies ist nicht verwunderlich, betritt doch jeder, der ernsthaft der Botschaft des Evangeliums zu folgen versucht, einen Weg, der den Werten und Prinzipien der Welt zuwiderläuft. Überdies aber stößt er in sich selbst auf Kräfte, Gewohnheiten und Abhängigkeiten, die seinen guten Willen durchkreuzen. Zwangsläufig gerät er so in einen doppelten Gegensatz: zu sich selbst – oder, wie es der hl. Apostel Paulus nennt, zu seinem alten Menschen – und zum Geist der Zeit, sofern dieser der Gottlosigkeit Vorschub leistet. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 2:

Hl. Tichon von Zadonsk 

Die Welt

Nichts besteht aus sich selbst heraus. Keine Stadt ist von sich aus da, sondern sie wurde von einem anderen erbaut; kein Haus ist von selbst da, sondern jemand hat es errichtet; kein Brief ist durch sich selbst geschrieben, sondern von einem anderen; kein Buch hat sich selbst verfaßt, sondern ein anderer hat das getan – kurz gesagt, kein Ding besteht aus sich selbst heraus, sondern ein anderer hat es hergestellt. So ist auch diese Welt nicht aus sich selbst heraus da, sondern von ihrem Schöpfer geschaffen. Er sprach, und sie sind geworden; Er gebot, und sie wurden erschaffen (Ps 148,5).[mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 3:

Hl. Isaak der Syrer:

Über Glauben und Buße

Asketische Rede 72 neugr. (82-83 russ., 46 engl.)

  Der Glaube ist die Tür zu den Mysterien. Wie die leiblichen Augen die sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände sehen, so schaut der Glaube mit geistigen Augen auf das Verborgene. Genauso wie wir zwei leibliche Augen haben – so sagen die Väter –, besitzen wir auch zwei seelische Augen; doch in der Betrachtung [gr. theoria] werden diese beiden auf verschiedene Weise verwendet. Mit dem einen Auge sehen wir die verhüllten Herrlichkeiten Gottes, die in den Naturen der Dinge verborgen sind, d. h. Seine Kraft und höchste Weisheit und Seine Vorsehung für uns, begreifbar durch die Erhabenheit Seiner Führung für uns; mit demselben Auge erschauen wir die himmlischen Ordnungen unserer Mitknechte [d. h. der Engel und Heiligen]. Mit dem anderen Auge erschauen wir die Herrlichkeit Seiner heiligen Natur [die eigentliche Schau Gottes, d. h. die Schau der ungeschaffenen Herrlichkeit (gr. doxa) Gottes, der Göttlichen Energien], wenn es Gott gefällt, uns in die geistlichen Mysterien einzuführen und in unserem Geist das Meer des Glaubens aufzutun. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 4:

Hl. Innokentij (Veniaminov)

Das wahre Glück des Menschen

(Unterweisungen für Fastende, 1. Teil)

Wenn jemand nicht von neuem (von oben)
geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

(Jh 3,5)

Wozu ist der Mensch geschaffen? Wofür leben wir in der Welt? Das ist eine wichtige Frage, die wir uns häufiger stellen sollten! Sind wir denn nur deshalb in der Welt, um geboren zu werden, einige Zeit zu leben und dann zu sterben – ähnlich der übrigen Tiere? Sind wir wirklich dazu geschaffen, unser ganzes Leben lang in Sorgen und Scherereien zu verbringen, suchend, geplagt, leidend – und dann zu verschwinden?

Nein! Wir sind zur Seligkeit geschaffen. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 5:

Bischof Alexander (Mileant)

Die Bergpredigt

(1. Teil)

Die Predigt des Herrn auf dem Berg ist von außerordentlicher Bedeutung, da sie eine Verdichtung des gesamten Evangeliums darstellt und all das zusammenfaßt, was wichtig und wesentlich für jeden Christen ist, so daß er es kennt und danach handelt. Der Evangelist Matthäus zeichnete – wie es scheint – im 6. und 7. Kapitel seines Evangeliums die ganze Predigt auf, während der Evangelist Lukas einige Teile davon im 6. Kapitel seines Evangeliums wiedergibt. Der Herr hielt die Bergpredigt im ersten Jahr Seines öffentlichen Dienstes auf einem Hügel, der an der nördlichen Seite des Sees von Galiläa in der Nähe der Stadt Kapernaum liegt. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 6:

Hl. Nikolaj Velimirović

Was schrieb Christus in den Staub?

Der all-liebende Herr saß einmal vor dem Tempel in Jerusalem und labte die hungrigen Herzen mit seinen tröstlichen Reden. Eine große Menge hatte sich um Ihn versammelt (Jh 8,2). Der Herr sprach zum Volk über ewige Seligkeit, über die niemals endende Freude der Gerechten in der ewigen Heimat in den Himmeln. Und die Menschen erfreuten sich an Seinen göttlichen Worten. Die Bitterkeit vieler enttäuschter Seelen und die Feindschaft vieler Gekränkter verschwand wie Schnee unter den hellen Strahlen der Sonne. Wer weiß, wie lange diese wundervolle Szene zwischen Himmel und Erde noch gewährt hätte, wäre nicht etwas Unerwartetes geschehen. Der Messias, der die Menschheit liebte, wurde niemals müde, die Menschen zu lehren, und die Frommen wurden niemals müde, auf solch heilende und wundervolle Worte zu hören. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 7:

Hl. Nektarios von Aegina

Über die göttliche Liebe

Göttliche Liebe ist die vollendete Liebe zum Göttlichen, die sich äußert als ununterbrochenes Sehnen nach dem Göttlichen. Göttliche Liebe wird in einem reinen Herzen geboren, denn in ein solches Herz kommt die göttliche Gnade herab. Die göttliche Liebe ist ein göttliches Geschenk, das der reinen Seele geschenkt wird von der göttlichen Gnade, die herabkommt und sich der Seele offenbart. Ohne göttliche Offenbarung kann in keinem Menschen göttliche Liebe geboren werden. Denn eine Seele, die solche Offenbarung nicht empfangen hat, hat die Einwirkung der Gnade nicht empfangen und bleibt so ohne Erfahrung der göttlichen Liebe. Es ist mithin unmöglich, daß göttliche Liebe geboren wird ohne Einwirkung von Kraft, göttlicher oder menschlicher, auf das Herz. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 8:

Hl. Ignatij Brjančaninov

Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber - eine Regel für Menschen, 
die in der Welt leben

Die Seele aller Übung im Herrn ist die Aufmerksamkeit. Ohne Aufmerksamkeit sind alle Übungen fruchtlos und tot. Wer sich zu retten wünscht, muß sich in einer Weise ausrichten, daß er die Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber nicht nur dann bewahrt, wenn er allein ist, sondern auch inmitten der Zerstreuungen, in die er zuweilen auch gegen seinen Willen infolge der Umstände hineingezogen wird. Die Furcht des Herrn möge das Übergewicht gegenüber allen anderen Empfindungen im Herzen haben, dann wird es nicht schwer sein, die Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber zu bewahren, sowohl in der Stille der Zelle als auch, wenn man allseits von Lärm umgeben ist. [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 9:

Hl. Starez Varsonofij von Optina:

Bemerkungen über Kunst, Literatur, Musik – und Gebet

Die folgenden Bemerkungen über Kunst, Literatur und Musik in ihrem Verhältnis zur orthodoxen Spiritualität sind den Aufzeichnungen der Schüler zweier Starzen aus dem Kloster Optina Pustyn’ („Optina-Einsiedelei“) entnommen. Viel ist über dieses berühmte Kloster geschrieben worden, das eines der wichtigsten Zentren des geistlichen Lebens im vorrevolutionären Rußland bildete. Die 14 heiligen Altväter aus dem Optina-Kloster stellen eine geistige Dynastie dar, die sich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert erstreckt. Ihr Einfluß auf die russische Gesellschaft war groß, ihr von Gott erleuchteter Rat zog unzählige Suchende aus allen Schichten der Gesellschaft von nah und fern an. Der bekannteste unter ihnen, Starez Amvrosij, diente Dostoevskij als eines der Vorbilder, nach denen er Starez Zosima in „Die Brüder Karamasov“ gestaltete. Die Starzen Nektarij und Varsonofij sind von nicht geringerer geistlicher Bedeutung. Die folgenden Ausschnitte aus diesen Aufzeichnungen mögen einen kleinen Eindruck von dem vermitteln, was „orthodoxe Weltsicht“ bedeuten kann und wie sie von zwei großen heiligen Altvätern an der Schwelle unserer Zeit vermittelt wurde. Es handelt sich dabei nicht um systematische Darstellungen, sondern eher um assoziativ aneinandergereihte Bemerkungen. Sie mögen zur weiteren Beschäftigung mit diesen Themen Anregungen bieten.  [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 10:

St. Patricks Brustwehr

(gemäß der Überlieferung vom hl. Patrick von Irland verfaßt)

Heute binde ich an mich
Die kraftvolle Tugend der Anrufung der Dreieinigkeit;
Ich glaube an die Dreiheit in der Einheit,
Den Schöpfer des Alls.  [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 11:

Mutter Evfrosinia:

Mönchtum im 21. Jahrhundert:
Eine lebensfähige Alternative oder ein vergessenes Ideal?

Ein Bruder machte sich auf den Weg, um Abba Joseph zu sehen, und sagte zu ihm: „Abba, soweit ich vermag, spreche ich meine Gebetsregel, ich faste ein wenig, ich bete und gebe mich der Betrachtung hin, ich lebe in Frieden, soweit ich kann, ich reinige meine Gedanken. Was kann ich sonst noch tun?“ Da stand der alte Mann auf und streckte seine Hände gen Himmel aus. Seine Finger wurden wie zehn feurige Leuchten, und er sprach zu ihm: „Wenn du willst, kannst du ganz Flamme werden.“  [mehr...]


Aus DER SCHMALE PFAD, Band 12:

Christus ist auferstanden!

In memoriam Erzpriester Dr. Ambrosius Backhaus
(1923 – 2005)

Das Licht, das aus dem Grabe Christi strömt, leuchtet über allen Gräbern.
Der Leichnam ist verklärt von der Taufe und dem heiligen Abendmahl, von der Auferstehung des Herrn.
Das ist ein Mysterium, ein Geheimnis, das wir verkünden am Grabe wie bei der Taufe: getauft und untergetaucht in den Tod Christi, neu geboren mit dem Auferstandenen, dem Gekreuzigten.
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Aus DER SCHMALE PFAD, Band 13:

Priestermönch Alexios Karakallinos:

Konturen der Konversion und die ökumenische Bewegung:
Einige persönliche Überlegungen

Ein Vortrag, gehalten auf der panorthodoxen akademische Konferenz „Ökumenismus: Ursprünge, Erwartungen und Enttäuschungen“ Universität von Thessaloniki, 20.-24. September 2004

Christus ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt, und wie der hl. Johannes Chrysostomos bemerkt,  „ergießt sich die Gnade über alle, sie macht weder halt vor dem Juden, noch vor dem Griechen, noch vor dem Barbaren, noch vor dem Skythen, noch vor dem Freien, noch vor dem Gebundenen, noch vor dem männlichen Geschlecht, noch vor dem weiblichen, noch vor dem Alten, noch vor dem Jungen, sondern sie ist für alle gleichermaßen offen und lädt alle mit derselben Hochachtung ein.“1 Mit anderen Worten, Christus ruft alle auf, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen. [mehr...]